Bruno: Bredenberg, schreiben Sie für sich oder für mich?

 

Bredenberg: Ich schreibe, weil ich möchte. Wenn Sie etwas damit anfangen, freut es mich, Bruno.

 

Bruno: Warum so bescheiden? In Wirklichkeit möchten Sie, dass mir gefällt, was Sie schreiben.

 

Bredenberg: Leider werde ich von dieser Eitelkeit belästigt.

 

Bruno: Ist Ihre Eitelkeit derart beschaffen, dass Sie Ihr Schreiben so einrichten, dass es mir gefällt.

 

Bredenberg: Zum einen kann ich nur vermuten, was Ihnen gefällt. Es nicht zu wissen ist ein Vorteil. Insofern schätze ich auch nicht allzu genaue Kommentare, die Auskunft darüber geben, wie Sie es lieber hätten.

Zum anderen gibt es Tricks, die Sie als Leser demütigen.

 

Bruno: Tricks? Welche?

 

Bredenberg: Ich sollte Ihnen die Tricks nicht verraten. Dann wirken sie nicht mehr.

 

Bruno: Sie können sicher sein, Bredenberg, dass ich nichts ausplaudere.

 

Bredenberg: Wie dem auch sei. Nach einer gewissen Zeit haben Sie die Tricks vergessen und lassen sich als Leser durch den Autor wieder demütigen.

 

Bruno: Machen Sie es nicht so spannend!

 

Bredenberg: Also gut. Das Wirksamste ist, den Text so zu verfassen, dass der Leser genötigt wird, nach jedem gelesenen Satz den nächsten zu lesen. Haben Sie bis hierher gelesen, Bruno?

 

Bruno: Selbstverständlich.

 

Bredenberg: Nun, dann ist schon etwas gelungen. Aber noch mehr.

 

Bruno: Ja, bitte weiter.

 

Bredenberg: Die Botschaft steht nicht in den Zeilen, sondern zwischen den Zeilen.


Bruno: Davon habe ich schon gehört. Oft habe ich mich geärgert, dass ich zwischen den Zeilen nichts gefunden habe.

 

Bredenberg: Es kommt darauf an, dass Sie zwischen den Zeilen etwas vermuten, unabhängig davon, ob da etwas ist oder nicht. Der Autor verfasst den Text so skurril, dass er kaum etwas aussagt. Schon vermuten Sie, dass die Botschaft zwischen den Zeilen steht. Wenn Sie die Botschaft nicht erkennen, halten Sie sich vorübergehend für dumm und den Schriftsteller für klug, für so klug, dass Sie nicht an ihn heranreichen. So fangen Sie an, ihn zu verehren, ihn für so klug zu halten, dass für Sie noch ausreichend Klugheit übrig bleibt.

 

Bruno: Und wenn ich die Botschaft zwischen den Zeilen entdecke?

 

Bredenberg: Dann, Bruno, sind Sie stolz auf Ihre Entdeckung und loben den Schriftsteller, weil er genau Ihr Herz, Ihr Gefühl oder Ihren Verstand getroffen hat. Sie fangen nun ebenfalls an, ihn zu verehren. Außerdem fühlen Sie sich so klug wie der Schriftsteller und sich somit mit ihm verbunden. Nur Kritiker fühlen sich noch klüger.

 

Bruno: Haben Sie zwischen diesen Zeilen etwa auch eine Botschaft versteckt?

 

Bredenberg: Haben Sie das Gefühl, dass ich Ihnen etwas sagen will?

 

Bruno: Ich werde das Gefühl nicht los.

 

Bredenberg: Sie sind auf einem guten Weg, einer meiner demütigen Leser zu werden, Bruno.

 

Bruno: Ihre Eitelkeit macht Sprünge.

 

Bredenberg: Das nehme ich gerade mit größter Bescheidenheit wahr. Aber es war nicht zu verhindern. Diese Notwendigkeit entlastet mich.

Noch eine Bemerkung: Zum Schluss kann eine Pointe nicht schaden.

 

Bruno: Diese werde ich mit etwas Ironie verhindern. - Also: mit welchem Stift, bitte sehr, mit welchem Stift schreiben Sie auf, was zwischen den Zeilen steht?

 

Bredenberg: Einverstanden, Bruno, keine Pointe. Aber für einen Kalauer reicht es: Für die Botschaft zwischen den Zeilen benutze ich regelmäßig einen Lückenfüller.

 

 


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